Tag 8: Worb - Lützelflüh

Tag 8: Worb - Lützelflüh

Trödeln kann ich.

Nach einem Aufstieg raus aus Worb auf eine kleine Anhöhe setze ich mich auf eine Bank und schaue in die Ferne. Und so sitzend und schauend vergesse ich die Zeit und muss mich irgendwann daran erinnern, dass ich eigentlich wegen des Laufens und nicht des Sitzens hier bin. Ich breche wieder auf und wandere auf breiten Wegen voller Nadeln und Tannenzapfen. Ich habe mich eingegroovt. Energisch setze ich einen Doppelstockeinsatz vor den anderen. Gefühlt habe ich meinen Rhythmus gefunden... der Weg zieht sich durch den Wald hindurch. Auf der Menziwilegghöhe angelangt, bietet sich mir ein Ausblick über die Hügel des Berner Oberlands und des Juras. Hier scheint ein Seniorenparadies zu sein. Scharen von älteren Herrschaften kommen mir wenig oder gar nicht tretend auf Ebikes entgegen. Der Rücken ist gerade, der Hals weit nach vorne gestreckt, die Augen freudig aufgerissen, die Klappsonnenbrillengläser 90 Grad nach vorne gerichtet, die beige Caprihose nach oben gezogen, damit einige Besenreißer besser zur Geltung kommen. Auf Bänken sitzen sie (ihr Ebike hinter sich) mit ihren Tupperdosen und genießen mit geschälten Möhrchen den Ausblick. Einige wackeln munter mit dem Rolator umher. Und dann gibt es noch die rüstigen Rentner, die in hochwertigen Outdoorklamotten einen zügigen Schritt beim Wandern beweisen. Eine recht fitte Vierergruppe begleitet mich ein paar Kilometer, bis unsere Wege sich trennen.

Ein steiler Abstieg ins Emmental läutet die letzte Stunde der Etappe ein. Auf einem Waldpfad rutsche ich bei jedem Schritt ein wenig herab. Irgendwann erreiche ich die Straße, der ich bis Lützelflüh an der Emme folge... Am frühen Nachmittag komme ich im Gasthof an. Auf der Terrasse genieße ich die freien Stunden in der Sonne bei einem kühlen Bier und beginne zu schreiben...