Tag 28: Venedig

Tag 28: Venedig

„Wer nicht sein Herz stärker klopfen fühlt, wenn er auf dem Markusplatz steht, der lasse sich begraben, denn er ist tot, unwiederbringlich tot.“ (Franz Grillparzer).

Dieses Zitat gilt ganz besonders für geplagte Alpenüberquerer, die mit stark klopfendem Herzen, entkräftet, halbtot, aber glücklich auf dem Markusplatz stehen.

Glücklich den Rucksack und die Wanderschuhe nicht mehr zu tragen, stürzen wir uns in das Getümmel der Touristenmassen. Trotz der bedrückenden, stressenden Menge an Menschen, deren einiges Interesse ein perfektes Selfie für Instagram zu sein scheint, strahlt diese Stadt einen Zauber aus. Einen Zauber vergangener Jahrhunderte, in denen der Handel diese Stadt geprägt und reich gemacht hat. Duzende Palazzi mit prächtigen Säulen und Eingangspforten auf der Kanalseite sind Zeugnisse dieser Zeit. Etwas Morbides haftet ihnen an. Langsam blättert die Farbe von den Wänden und das Klatschen des Wassers bearbeitet unentwegt die alten Mauern der Gebäude. Die Wasserstraßen steuern in der Sommerhitze dem Gesamteindruck etwas Kühlendes bei. Die Boote wirken edel und sanft gegenüber Autos. Dennoch verspürt man in dieser Stadt durch die Touristen eine Hektik, wie wir sie am Münchner Marienplatz nicht verspüren. Dieser Gegensatz aus der Ruhe des Wassers, der Erhabenheit der alten Gebäude und dem quirligen Gewusel der gestressten Touristen erzeugt in uns ein seltsames Gefühl der Hassliebe. Man ist fasziniert von der Magie und dem Malerischen dieses Ortes und dennoch gewillt so schnell wie möglich zu fliehen.

In der ganzen Stadt scheint es dieselben Geschäfte zu geben. Jedes Konzert scheint Verdi oder Vivaldi zu sein. In das Teatro Italia ist ein Despar eingezogen, dessen Fleischtheke auf der Bühnenseite imposant beleuchtet ist.

Wir stellen allerdings schnell fest, dass sich die Touristenmassen nur zwischen Markusplatz und Rialtobrücke bewegen. In Cannaregio, wo unser Hotel ist, sind einige Wege und Kanäle Menschenleer. Wir erkunden die Hauptinsel, Murano und Burano, besichtigen Museen, gehen in einige Kunstausstellungen und essen gut zu Abend.