Tag 22: Von Arfanta nach Spresiano

Tag 22: Von Arfanta nach Spresiano

Wir stehen im Supermarkt bei brütender Hitze - in Bergschuhen mit einem 36 Liter Rucksack. Wir haben draußen schon völlig verzweifelt gewartet bis Italien aus seiner 12 bis 16 Uhr- Starre erwacht. Wir suchen entkräftet nach etwas Brotzeitähnlichem, denn wir sind schon 25km unterwegs. Eine deutsche Stimme reißt uns aus unseren Gedanken. Eine deutsche Kassiererin mitten im italienischen Nirgendwo fragt, ob wir belegte Semmeln wollen. Wir schauen sie an, als sei sie eine Erscheinung, und nicken. Sie organisiert Panini mit Schinken und fragt: „Wie weit habt ihr‘s denn noch?“ Wir nennen unseren Zielort für heute und fragen, ob denn noch andere da waren. „Ja ja, die kommen immer von da oben.“

Von „da oben“ starten wir heute auch, nämlich in Arfanta, einem kleinen Ort an der Proseccostraße. Der Name ist Programm. In unserem Hotel in Mitten der Weinberge gab es ein sehr günstiges, grandioses Menü mit Prosecco-/ Weinbegleitung. Die Gläser werden auf 0,3 l gefüllt und gerne, wenn man gerade nicht hinsieht, auch oft nachgeschenkt...

Der Weg führt uns durch die Weinberge auf einem kleinen Feldweg hin zu einer alten Mühle. Dort geht er in ein Straße über. Sie ist mehr von Radlern als von Autos befahren und so folgen wir ihr Kilometer für Kilometer. Erstaunte Italiener beugen sich über die Gartenzäune und fragen, ob wir Deutsche sind. Es laufen hier wohl nur Deutsche zu Fuß. In Barbisano verdeutlicht das eine Bank, die genau dort aufgestellt ist, wo wir eine Pause brauchen. An ihr hängt eine einlaminierte Deutschlandfahne. Wir laufen weiter in den Weinbergen bis Collalto, wo ein wunderbar schattiger Feldweg beginnt. Leider ist auch auf dieser Etappe (wie schon so oft) keine Einkehrmöglichkeit und kein Supermarkt zu finden. Wir gehen einen kleinen Umweg, um in Colfosco etwas zu kaufen. Dort warten wir 20min auf die Nachmittagsöffnung des Supermarkts und kaufen uns eine wunderbare Brotzeit. Weiter gehts an Straßen, mal verlassen, mal viel befahren, bis Ponte della Priula. Über die Brücke geht ein neuer Fußgängerweg, der allerdings nach der Brücke endet, sodass jeder Fußgänger automatisch auf der Bundesstraße landet. So marschieren auch wir mit einem mulmigen Gefühl auf den 20cm zwischen Leitplanke und Fahrbahnmarkierung entlang, bis wir unser Hotel sehen.

„Hotel Liberty“, eine Jugendstilvilla direkt an Bahngleisen und Bundesstraße, mit einer unglaublich netten, blondierten Empfangsdame, die uns gleich Prosecco anbietet. Würde man nur den Namen des Hotels, seine Lage und die bereitgestellte Klinexpackung auf dem Nachttisch werten, würde man wohl fragen, ob man hier pro Stunde oder pro Übernachtung zahlt...