Tag 15: Von der Kreuzwiesenalm zur Medalges Alm

Tag 15: Von der Kreuzwiesenalm zur Medalges Alm

„Wool with sex appeal“ (Zitat New York Times) schmiegt sich an unsere schwitzenden Körper an. Es ist ein heißer Sommertag und Gewitterwolken ziehen umher. Die Luft ist schwül. Nach wenigen Stunden stellen wir fest, dass es gut ist, dass es noch kein Nosetime statt Facetime gibt, obwohl unsere Merinowollenausstattung geruchsarm zu sein verspricht.

Wir laufen über eine schöne Hügellandschaft, Fahrwege und Waldpfade auf und ab, über einen Rücken und einen Teil des Mauererbergs hinab zur Maurerberghütte. Dort kehren wir auf eine Buttermilch ein, ziehen jedoch schnell weiter, da dunkle Wolken und das Wetterradar Gewitter vorhersagen. Wir folgen einem Fahrweg, der sich langsam zu einem Parkplatz schlängelt. Von dort geht es ein paar hundert Meter die Passstaße zum Würzjoch hinauf, wo einige hundert Motorräder und Autos die Beliebtheit dieses Ortes unterstreichen. Inzwischen windet es und die Gewitterwolke sitzt direkt auf dem Peitlerkofel. Wir essen in der Ütia de Börz einen viel zu süßen, pappigen Kuchen und trinken eine widerliche heiße Schokolade dazu. Massenandrang heißt wohl auch Massenabfertigung und Kantinenessen (wobei das unserer Kantine deutlich besser ist). Draußen schüttet es kurz bis die Wolken vorbeiziehen und wieder blauer Himmel zum Vorschein kommt. Wir starten zur Peitlerkofelscharte. Ein paar betrunkene Südtiroler kommen uns mit zwei leeren Kästen Bier auf einer abenteuerlichen Konstruktion auf dem Rücken entgegen. Wir steigen in der Scharte auf. Das Weiß der Steine blendet. Oben angelangt bietet sich uns ein herrlicher Ausblick zur Puezgruppe. Wir wandern weiter auf einem Wiesenpfad bis wir an der Abzeigung zur Schlüterhütte stehen, die leider keinen Übernachtungsplatz hat. Es ist wahnsinnig dunkel geworden. Dunkles schwarz legt sich über das Tal, darunter scheint die Sonne und man erkennt, dass es überall zu regnen scheint, nur bei uns nicht. Es sieht aus wie kurz vor dem Untergang... Wir beschließen zunächst nicht zur Medalges Alm weiterzugehen, sondern in der Schlüterhütte weiter abzuwarten. Drinnen ist eine Stimmung wie im Herzkasperlzeit der Oiden Wiesn bei Musik und Tanz. Völlig geplättet setzen wir uns in die Ecke und merken, dass uns die Lautstärke heute zu viel ist. Wir warten und warten, es ist nebelig und schüttet. Die Luft kühlt schnell ab. Irgendwann ergibt sich ein helles Wetterfenster. Wir ziehen Regenhose, Mütze, Jacke und Handschuhe an und rennen so schnell wie es nur geht zur Medalges Alm. Dort empfängt uns die Wirtin freundlich. Wir sind nur vier Gäste. Sie heizt ein und serviert ein wunderbares Essen bei Kerzenlicht. Es ist eine so nette und süße Alm. Wir fühlen uns sehr wohl, auch wenn wir uns so seht über eine Dusche gefreut hätten.