Tag 13: Sachseln - Stans

Tag 13: Sachseln - Stans

Warum liegt hier eigentlich Stroh rum?

Das große weiche Federbett läd zum Umdrehen und Weiterschlafen ein. Ich habe mal wieder keine Bleibe gefunden für die nächste Nacht. Während ich anderorts immer der einzige Gast war, platzen hier die Unterkünfte aus allen Nähten... spät starte ich in den Wandertag. Erstes Zwischenziel ist Flüeli-Ranft, einem Wallfahrtsort in der Nähe. Der Trans Swiss Trail wird sich nun ein paar Etappen mit dem Jakobsweg teilen, wobei die Pilger nach Norden, die Wanderer nach Süden laufen. Zu bemerken ist das vor allem dadurch, dass die Beschilderung bei jeder Kirche die Treppen hoch zum Eingang und wieder runtergeht, auch wenn unten ein Weg ginge und dass es überall Toiletten gibt. Man fragt sich, ob Pilger von Toilette zu Toilette oder von Kapelle zu Kapelle pilgern. In Flüeli-Ranft ist das Wohnhaus eines schweizer Nationalheiligen zu besichtigen. Es sieht auch nicht anders aus als andere Wohnhäuser (man beschimpfe mich gerne als Banause). Es ist mir zu viel los in diesem Ort. Schnellen Schrittes laufe ich vorbei an der Kapelle, um mich in Pilger- und Tagestouristenfreie Zonen zu retten. Der Weg geht über eine schmale Brücke über ein Flüsschen und zieht sich dann wieder den Berg hinauf. Die Sonne scheint heute wieder für mich. Ich überquere Felder voller gelber Löwenzahnblüten, lauter Kuhglocken und Heuballen.

Ich komme vorbei an vielen Geburtsschildern. In der deutschsprachigen Schweiz hängen überall bunte Holzfiguren in 2D mit Namen des Kindes am Haus. Ich bewundere die kreativen Bilder (siehe unten) und bin verwundert über die Hässlichkeit vieler Namen. In Stans werde ich an einem Babygeschäft vorbeikommen und meine Bewunderung für die vermeintlich gelungenen selbstgemachten Holzsägearbeiten verpufft in der Realität des Babygeschenkkonsums unserer Zeit.

Eintönig aber schön vergehen so Stunden. Als ich an einer Hangkante den Vierwaldstättersee erblicke, zieht ein kalter Wind auf. Die Sonne verschwindet und ich beginne zu frieren. Ca. eine Stunde später komme ich in Stans am Bauernhof an. Ich werde heute im Stroh schlafen. Eine andere Unterkunft habe ich nicht gefunden. Nach einer Mahlzeit auf dem Campingkocher im Nieselregen und einer Dose Birra Moretti, breite ich einige Decken im Stroh aus, ziehe Daunenweste, Skipulli und Mütze an und schlafe tief und fest ein... erst nach 10 Stunden werde ich wieder wach.